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LICHT FÜR DIE SINNE

10 Juli 2018

Die Karlsruher Schlosslichtspiele
LICHTKÜNSTLER UND IHRE DARBIETUNGEN

Text: Philippe P. Ulmann

Zum 300jährigen Jubiläum der Stadt Karlsruhe schlug Peter Weibel vor, das Schloss Karlsruhe in Licht-Szenen darzustellen. Nach grossem Bedenken der Behörden wurde der Vorschlag akzeptiert. Dank den Verbindungen des Zentrum für Kunst und Medien kurz ZKM entwickelten sich die Schlosslichtspiele bereits im ersten Jahr (2015) zu einem Publikums-Magneten. Das klug aufgebaute Management ermöglicht, die Veranstaltung jeweils über eine Dauer von einem Monat jeden Abend laufen zu lassen, und dies ohne Kosten für die Zuschauer. Der grosse Erfolg der Schlosslichtspiele verdankt seine Geschichte der Tatsache, dass namhafte Künstler ihre Darbietungen präsentieren, so dass ein starker bleibender Eindruck entsteht. Zudem beeindruckt die offene zwangslose Atmosphäre der Aufführungen. Die Zuschauer liegen auf der Wiese, sitzen zusammen auf mitgebrachten Stühlen, machen Schnappschüsse. Das ist einmalig, entspricht aber genau den Wünschen des ZKM.

Die Technik

Hinter den Darbietungen steht eine ausgefeilte Technik. Als Basis dienen 24 Projektoren in acht Gruppen, jeweils 3 davon gebündelt und pixelgenau übereinandergelegt, so dass der Eindruck eines einzelnen Teil-Bildes entsteht. Nun werden diese in einem Softedge-Programm geglättet. Diese werden über ein

 

Contentmanagement-System zusammengefügt, um so ein in Helligkeit und Prägnanz einheitliches momentanes Bild zu erhalten. Die Bildübertragung erfolgt mittels Glasfasertechnik.

Licht tanzt

Hier wird Licht nicht als statisch sondern als ein bewegliches – sich stets veränderndes – Element mit Tönen – Musik – verknüpft, so dass die Darbietungen einen lebhaften Rhythmus darstellen, der die menschlichen Sinne im weitesten Rahmen berührt. Man könnte sagen »Licht tanzt«. Bei den Darbietungen können zwei Gruppen unterschieden werden: Die erste Gruppe befasst sich mit der Fassade des Schlosses und kleidet diese in sich ständig verändernde Licht-Impressionen. Die zweite Gruppe erzählt Licht-Geschichten und projiziert diese auf die Fassade.

Und nun also bereits die vierten Schlosslichtspiele, welche vom 28. Juli bis zum 9. September jeden Abend stattfanden. Der Autor hatte die Gelegenheit, an einem Samstag den Darbietungen zuzuschauen. Es waren schätzungsweise weit über 5000 Zuschauer, die mit ihm diesen Augen- und Ohrenschmaus geniessen durften. Es war in Tat und Wahrheit ein berührendes Erlebnis mit einem starken Nachklang, so, wie es gute Kunst eigentlich immer ist. Weitere Darstellungen, Infos und Filme finden Sie unter:

schlosslichtspiele.info