Wir verwenden Cookies und Tracking-Technologien gemäss unserer Datenschutzerklärung, um Ihnen das beste Web-Erlebnis zu bieten. Zur Datenschutzerklärung

250

sop architekten

14 Januar 2020

Interview mit Wolfgang Marcour, geschäftsführender Gesellschafter slapa ober- holz pszczulny | sop architekten über das neue Gebäude: RWTH AACHEN; CT2 CENTER FOR TEACHING AND TRAINING, AACHEN.

 

High-Tech-Gebäude mit Maximum an Tageslichtnutzung:
Investoren scheuen Einsatz von Lichtplanern bei Grossprojekten?

Wie sah das Gebäudekonzept für Tageslicht in Entwurf und Ausführung aus?

Die städtebauliche Positionierung des CT2 und die Entwurfsidee des Torgebäudes führten konsequenterweise zur Ausformulierung eines grossflächigen Atriums, für das Tageslicht eine wesentliche Rolle spielt. Die Kantenlänge des Kubus von ca.

25 Metern machte dabei eine möglichst sorgfältige und effiziente Tageslichtausbeute nötig, die natürlich gegenüber einem möglichst geringen Energieeintrag abgewogen werden muss. Mit der Ausbildung der Fassaden haben wir nicht nur den Tor- charakter des Gebäudes hervorgehoben, sondern auch diese Aspekte der Tageslichtgewinnung berücksichtigt. So werden das öffentliche Atrium und die Zonen, die Kommunikation und Aufenthalt dienen, über grossflächige Pfosten-Riegelfassaden mit viel Tageslicht geflutet. Die in der Dachfläche integrierten Oberlichter unterstützen die Ausleuchtung des Atriums neben ihrer Funktion als Rauch- und Wärmeabzug.

Die Fassaden der Seminar- und Lehrräume dagegen, die aufgrund einer höheren Personendichte und dem Einsatz elektrischer Geräte eine höhere Wärmelast erzeugen, wurden als Bandfassaden mit Brüstungen ausgebildet, da ein mögli- cher Lichteintrag unterhalb der Brüstungshöhe bei Auftreten auf den Boden ausschliesslich in Wärme umgewandelt wer- den würde. So ermöglichen die Fensterbänder ein optimales Verhältnis an Tageslicht- und Wärmeeintrag. Das vorgelagerte Edelstahlgewebe reduziert den Energieeintrag weiter, so dass auf einen aussenliegenden Sonnenschutz verzichtet werden konnte.

Das CT2 präsentiert sich somit nicht nur nach aussen als High- Tech-Gebäude, sondern entwickelt auch im Inneren über die konsequente Tageslichtnutzung eine intelligente Gebäude- performance; die LED Beleuchtung, der Eisspeicher und die geothermische Nutzung über die Luftbrunnen ergänzen diese Haltung.

Gab es auch eine Planung für künstliches Licht?
Bei der Planung der künstlichen Beleuchtung wurde vor allem darauf geachtet, geringe Verbrauchs- bzw. Energiekosten zu erzeugen. So wurden neben einem Maximum an Tageslichtnutzung die konsequente Nutzung von LED Leuchten umge- setzt. Dies auch bei hierdurch erhöhten Investitionskosten. Die Planung erfolgte in enger Abstimmung zwischen den Architekten und den Elektroplanern, natürlich mit entsprechenden Lichtberechnungen und Nachweisen.

Haben Sie mit einem Lichtplaner-Büro gearbeitet?

Beim CT2 wurde kein weiteres Büro für die Lichtplanung be- auftragt. Bis vor etwa zehn Jahren war es bei Grossprojekten noch üblich, Lichtplaner gesondert zu beauftragen, teilweise wurden dafür auch Wettbewerbe zwischen den Lichtplanern durchgeführt. Offensichtlich scheuen heute viele Investoren die vermeintlich höheren Kosten, die durch einen Lichtplaner entstehen, auch wenn intelligente Lösungen den Einsatz von Leuchten und Material und damit auch die Kosten reduzieren können. Wir als Architekten bedauern das sehr.

Auftakt für den Campus Melaten: CT. Center for Teaching and Training

Auf einer Fläche von rund 800.000 qm entstehen in den kommenden Jahren auf dem RWTH Aachen Campus etappen- weise 16 Forschungscluster mit Büroflächen, Hallen und Labor- einrichtungen für mehr als 10.000 Mitarbeiter. Industrieunter- nehmen erhalten so die Möglichkeit, sich auf dem Campus zu engagieren und in Zusammenarbeit mit den Hochschulinstitu- ten interdisziplinär an Forschungsschwerpunkten zu arbeiten.

Das nun fertiggestellte Lehr- und Weiterbildungsgebäude CT. Center for Teaching and Training im Cluster Biomedizintechnik, das slapa oberholz pszczulny | sop architekten im Auftrag der A. Frauenrath BauConcept geplant hat, bildet dabei den repräsentativen Auftakt für den Campus Melaten. Direkt neben dem Universitätsklinikum Aachen ist hier ein hochflexibler Lehrorganismus mit multifunktionalen Flächen und Entwick- lungsmöglichkeiten für weitere Bauabschnitte entstanden.

 

 

Projektdaten

Standort: RWTH Aachen Campus, Campus Melaten, Forckenbeckstraße

Bauherr: Unternehmensgruppe Frauenrath

Architektur, Innenarchitektur, Lichtplanung: Team Wolfgang Marcour, Jörg Hartig, Jan Nosewicz, Kyra Ostrowski, Iljana Slapa, Viet Hoang, Pablo Uriona, Ryszard Rzadki

BGF: ca. 7.500 qm Fertigstellung: 2018

Galerie