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Verzahnung von Architektur und Umwelt

15 Juni 2020

Ein Lichtkonzept verbindet das Landesmuseum und das RMCC

„Das Verständnis für Raum und Oberflächen, für die Verzahnung von Architektur und Umwelt sowie das enge Zusammenwirken der Fachplaner ermöglichte eine ganzheitliche Planung für ein harmonisches Erscheinungsbild.“
Frank Vetter von DAY & LIGHT LICHTPLANUNG

Redaktion: Svea Goldschmidt, Frank Vetter
Fotos: Christoph Mittermüller, Frieder Blickle für we-ef, Ralf Brinkmann

"Dies Konzept ist äusserst preisverdächtig." 
luxlumina Redaktion

 

Fazit: Die Architektur des neu gebauten RMCC schafft es, durch seine Bauwerkstaffelung und seine Transparenz, nicht zuletzt durch den hohen Tageslichteintrag in den Foyers und Erschlies- sungsbereichen, eine Verbindung mit dem Um- feld herzustellen. Diese Ziele wurden bereits mit dem Vorentwurf in der Tageslicht- und Kunst- lichtplanung aufgegriffen. Das Licht unterstützt auf ganzheitliche Weise die Blickbeziehungen zwischen Innen und Aussen mit dem gesamten Ensemble. Die Art der Beleuchtung greift die Natur der Gebäude auf und unterstützt sie, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen.

Projektdaten:

Bauherr RMCC: 
TriWiCon – Eigenbetrieb für Messe, Kongress und Tourismus

Bauherr Museum:
Land Hessen, vertreten durch Landes­ betrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) 

Nutzer RMCC:
Rhein­Main­Hallen GmbH
Nutzer Museum:
Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur

 

Architekt RMCC: 
Ferdinand Heide Architekten

Architekten Museum:
BGF+ Architekten Bordt Götz (Teil 1 Sanierung), CSPHN­Architekten (Teil 2 Wettbewerb Eingang) Lichtplaner: DAY &

LIGHT LICHTPLANUNG:
DAY & LIGHT LICHTPLANUNG

Elektroplanung RMCC:
Steinigeweg Planungs GmbH und Co. KG, Darmstadt

Elektroplanung Museum:
Ingenieurbüro Hauptmann

 
 

Lichtprojekt: Kongresszentrum und Landesmuseum per Lichtkonzept vereinigt

 

Gestaltung des Lichts:

Das Landesmuseum in Wiesbaden wurde 1915 nach den Plänen von Theodor Fischer fertiggestellt und musste saniert werden. Mit neuer Fassade und erweiterter Treppenanlage steht der Bau in Wechselwirkung mit dem 2018 eröffneten RheinMainCongressCenter (RMCC) des Frankfurter Archi- tekten Ferdinand Heide gegenüber. Das Konzept der Land- schaftsarchitekten Adler & Olesch für die Platzgestaltung beider Seiten verbindet durch seine Materialität, Formenspra- che und strukturierende Elemente. Wasserflächen spiegeln Fassaden, Licht und Umgebung. Durch diese Kunstgriffe der Architektur und der Freiraumgestaltung erhielt der Strassenab- schnitt Friedrich-Ebert-Anlage eine Aufwertung als Platz und hochwertigem Stadtraum.

Das Lichtplanungsbüro DAY & LIGHT erhielt zur Planungsauf- gabe der Beleuchtung für das gesamte RMCC sowie dessen Aussenanlagen fast zeitgleich auch die Aufgabe, der Muse- umsfassade ein angemessenes nächtliches Erscheinungsbild zu geben. Die Besonderheit der Gesamtaufgabe lag darin, die Individualität und Natur beider Gebäude als charakterge- bende Elemente des Stadtraumes durch die Beleuchtung zu unterstreichen, sowie in ihrer besonderen Beziehung zueinan- der auch zu verknüpfen.

Beim neuen Kongresszentrum sorgt die Beleuchtung für
Farb- und Helligkeitskontraste, um die Gebäudegeometrie mit Fassadenschichtung mehrerer Layer in unterschiedlicher Mate- rialität und Transparenz zu betonen. Die Holzvertäfelungen im Innenraum sind flächig warmweiss ausgeleuchtet, während die Kolonnadenreihen eine Akzentuierung durch Bodeneinbau- strahler in neutralweisser Lichtfarbe erhalten.

Diese Kontraste spiegeln sich gleichermassen im Erschei- nungsbild des Museums für Kunst und Natur wider: Auch
hier wird 4.000 Kelvin für die äussere Fassadenfläche und die Säulen des Portikus eingesetzt, während die „Innenräume“ der Kolonnadenreihen und der Portikus flächig mit 3.000 Kelvin ausgeleuchtet sind. 

Besonderer Wunsch des Museumsdirektors Dr. Klar war es, die etwas gedrungene Fassadenproportion Fischers durch die Beleuchtung aufzulockern. Es wurden die asymmet- rische Lichtverteilung und Positionen der Fassadenfluter gezielt mit dem oberen Gesims abgestimmt, um so den oberen Fassadenteil mit einer Schattenkante abzusetzen und ein Lichtbild mit ausgewogenem Verhältnis zur niedrigen Kolonnadenreihe zu erzeugen.

Die flächige Ausleuchtung und gezielte Kontrastgebung der Bauteile bilden das Grundgerüst für eine plastische Gebäudedarstellung. Gezielte Akzentuierungen runden das Bild ab: Der Architrav des Portikus erhielt zur Betonung der Kontur und des Schriftzuges ein engstrahlendes LED-Licht- band. Kleine Strahler an den Säulenkapitellen schaffen mit enger Lichtverteilung und Streiflicht an den Kannelierungen ein intensiv plastisches Lichtbild. Die Glaskuppel auf dem Turm der Winde konnte durch einfache Mittel gleichmässig hinterleuchtet werden, wovon auch die Turmspitze profi- tiert. Alle Leuchten und deren Positionen wurden in Plänen und mittels Versuchsaufbauten intensiv mit den Architekten und dem Denkmalschutz abgestimmt, um das Gebäude durch die Beleuchtung angemessen zu würdigen, aber durch ihre Leuchtenkörper nicht zu stören.

 
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