Wir verwenden Cookies und Tracking-Technologien gemäss unserer Datenschutzerklärung, um Ihnen das beste Web-Erlebnis zu bieten. Zur Datenschutzerklärung

312

Smart-City-Teil 4

17 Mai 2021

Klaus-Peter Siemssen, CEO Selux,  und die Smart City. Ein holistischer Rundumschlag auf Klima, Natur und unser Leben in den Städten. Grösster Trend: Landschaftsarchitekten und Designer für Leuchten fokussieren neu die Aussenleuchten. Was funktioniert wie am besten? Selux eröffnet damit eine neue Trend-Debatte für den Aussenbereich.

 

Luxlumina Verlag · selux-CEO Klaus Peter Siemssen

 

 

INTERVIEW:

SELUX - luxlumina Meeting. Fragen an CEO Herrn Siemssen von SELUX


"​Gutes Licht schafft Schönheit und Sicherheit in Co-Existenz mit der Natur. Daran arbeiten wir."

Salut Klaus-Peter in Berlin, guten Tag.

Du führst die Geschäfte von Deutschlands Aushängeschild für Aussenbeleuchtung der Firma Selux neu. Die Leuchten wurden in der Stadt Hamburg im neuen Hafen z.B. eingesetzt und jetzt auch aktuell für den neuen Niederhafen / Promenade von den Architekten Zaha Hadid. Ist die Zeit der langen unattraktiven geraden Peitschen-Strassenbeleuchtung zu Ende?

Selux ist eine international ausgerichtete Firmengruppe. Unsere Zentrale ist in Berlin, die Projekte, die wir tätigen, sind sehr international. Gerade in USA und Frankreich sind wir auch sehr erfolgreich und in der Schweiz beliefern wir gerne Städte und Kommunen. Selux verfügt über drei wichtige Entwicklungszentren und Produktionsstätten in Deutschland, Frankreich und USA und einen Fertigungspartner in Asien.

Dabei arbeiten wir in der Tat intensiv mit der gestaltenden und kreativen Szene wie Architekten, Lichtplanungsbüros und Designern zusammen. Internationale Prestigeprojekte werden durch diese Experten gestaltet. So auch die Hafenpromenade in Hamburg.

Ist die Zeit der Peitschenmastleuchten vorbei? Ich denke, sie haben das Stadtbild Jahrzehnte lang geprägt und haben somit ihre Berechtigung. Außenbeleuchtung ist ja auch Stadmöbiliar. Und die Peitschenleuchten kennt in Europa jedes Kind. Sie unterstreichen die lange Lebensdauer unserer Produkte und die damit verbundene Verantwortung an Design, Materialität und Lichtqualität. Sich für eine Außenleuchte zu entscheiden, ist eine generationenübergreifende Entscheidung. Wir gestalten mit unseren Produkten den Außenraum nachhaltig - und mit dieser Verantwortung sollten wir sorgsam umgehen. Ob die Zeit der unattraktiven Produkte vorbei ist? Das mag ich nicht zu beurteilen.

Aber da hast du vollkommen Recht, wir schaffen Schönheit, Wohlbefinden und Sicherheit mit unseren Produkten – oder eben nicht. Gutes Licht setzt sich entsprechend mit seiner Umgebung auseinander, interagiert. Zeitlos und konsequent. Aktuell wird Licht oft nur als Funktion gesehen, möglichst effizient und normerfüllend. Dies birgt Risiken. Viele Leuchten „vergessen“ dabei ihren Auftrag für Wohlbefinden und schaffen nur noch Lichtintensität. Wir sehen Licht und unsere Produkte als Werkzeuge, um zu gestalten. So bauen wir sie auf.

Sind ja nicht erst seit Hamburg auf dem Design-Tripp bei ihren Leuchten. Wie machen sie das? Wie kommt das Design zu ihnen oder haben sie Kriterien, die sie für jedes Projekt neu aushandeln? Von Sonderleuchten kann man ja nicht unbedingt leben, oder?

 

Sonderleuchten sind nur ein Teil unseres Geschäftes. Das Kerngeschäft sind eigenständige Produkte mit einer klaren Haltung. Wie kommt das Design zu uns?
Das beschreiben wir auch in unserem Selux Buch. Wir haben erkannt, dass Zeitlosigkeit und Lichtqualität bei langlebigen Produkten Nachhaltigkeit bedeutet. Design ist aber immer auch eine Konsequenz aus den technologischen Möglichkeiten und der Funktion. Die LED-Technologie ermöglicht es, nicht nur extrem sparsame Leuchten zu gestalten, sondern auch Archetypen. Eine Leuchte wie die „Line“ wäre ohne diese Technologie nicht denkbar und die vollständige Integration der Optik in den Mast ist eine logische Konsequenz. Hier können wir von der Natur lernen. Nichts ist sinnlos, nichts dominiert auf Dauer und alles ist in sich perfekt. Eine banale Blumenwiese ist in sich perfekt in Harmonie und Interaktion.

Design entsteht bei uns im Dialog, mit Architekten, Planern, Landschaftsarchitekten. Daraus leitet sich eine Haltung ab, die wir wiederum in unsere Produkte einfliessen lassen.

Aufgefallen ist uns ihren gedruckten Katalog in diesem Jahr in dem sie ihre Produkte präsentieren. Nebenbei gefragt: Setzt Selux noch auf Druckwerke?
Das Intro spult sich recht originell ab. Die Sätze sind poesiegleich verwoben mit Umwelt, Natur, Materialien. Das ist wunderbar gemacht mit den Übersichten und Details. War das Ihre Idee?

Pan­de­mie­be­dingt muss­ten wir auf Begeg­nun­gen bei Messen, Reisen und Besu­chen ver­zich­ten, Kon­takte ver­la­ger­ten sich ent­spre­chend in eine digi­tale Sphäre. Mit unserem „Selux Buch“ wollten wir dem einen sinn­li­chen, hap­ti­schen und intel­lek­tu­el­len Genuss entgegensetzen, der Gedan­ken­gänge erlaubt, die weit über die Funk­tio­na­li­tät als Pro­dukt­ka­ta­log hin­aus­rei­chen. Auf diese Weise möchten wir zum Nachdenken inspirieren und den Sinn unserer Tätigkeit vermitteln.

Ja, das Buch ist auch ein Spiegel meiner Seele. Wir Menschen haben die Verantwortung für diese unsere einzige Welt übernommen. Es ist Zeit, sie anzunehmen, Massnahmen abzuleiten und zu erkennen, wie perfekt unsere Umwelt ist, und dass es um Co-Existenz geht, wenn wir über Generationen hinweg dieses Wunder erleben wollen. Die Texte leiten sich von unserem Handeln ab und sind gleichzeitig auch der Massstab dafür.

Ich zitiere aus dem Katalog: „Licht in der Stadtlandschaft kann magische Szenen schaffen.“ Das kann es, aber die Stadtämter sehen das noch anders. Unsere Innenstädte sind formiert und haben grausiges Licht zum Teil zu bieten. Diskutieren sie viel mit Stadtämtern?

Natürlich gibt es diese magischen Momente in jeder Stadt. Und natürlich müssen viele Städte darin noch viel besser werden. Aber genau darum geht es. In den Dialog treten, Bewusstsein schaffen für gutes Licht. Nicht arrogant, sondern im Dialog. Zürich ist nicht Oslo und Oslo nicht New York. Mit dem Buch wollen wir einen Dialog starten, die richtigen Lichtwerkzeuge bieten und aus dem Dialog neue Bedarfe generieren. Städtearchitektur ist ein evolutionärer Prozess. Die letzten Jahrzehnte haben die Autos dominiert und nun verändert sich dies. Städte werden wieder grüner, wohnlicher, nachhaltiger. Daran zu arbeiten macht uns Spass.
 

Licht ist ein Werkzeug und wir haben gelernt: viel hilft nicht besser. Ich glaube an die Varianz der individuellen Anpassung, und bin grundsätzlich als Mensch ein Gegner der „Pauschalisierung“. Ihre Stadt wird eventuell genau dann magisch, wenn sie nachts um 12 mit Ihrem Partner nach Hause gehen und die Kirche oder die Skulptur sind beleuchtet. Ebenso magisch erscheint die kleine Brücke über dem Bach, dieser aber plätschert im Dunkeln. Natürlich können wir diese Szenen intelligent illuminieren, ohne Streulicht. Ein Park hat andere Anforderungen als ein Dorfplatz oder eine Wohnstrasse. Am Dorfplatz wollen Sie bis 23.00 Uhr auch die Fassaden leicht beleuchtet haben. Das schafft Wohlbefinden, da sie dann wie Wände in einem Raum wirken. Aber später in der Nacht fahren Sie den Anteil zurück und sorgen mit „dark sky“ Licht, welches nur die Straßen beleuchtet, für Sicherheit. Tagsüber werden Produkte dann Teil der Architektur. Produkte wie unsere Olivio oder LIF haben skulpturale Wirkung.


Gutes Licht schafft Schönheit und Sicherheit in Co-Existenz mit der Natur. Daran arbeiten wir.

 
Galerie